quo.vadis

Ich werde alt

Es ist Zeit, anzuerkennen, dass ich bereits der „langsam aber stetig austrocknenden Generation“ angehöre.
Nicht, dass mir diese Erkenntnis zum ersten Mal zuwachsen würde – natürlich nicht, aber in jüngeren Jahren, als der Verfall noch nicht so sichtbar wurde, hatte ich weniger Mühe, mich mit meiner Endlichkeit – die mit fortschreitendem Alter immer unbarmherziger näher rückt  - auseinanderzusetzen.
Die biologische Uhr tickt. Und tickt. Und tickt. Aufs Ablaufdatum zu.
Wie bin ich doch froh, dass wir dieses Datum nicht sichtbar aufgestempelt bekamen und auf diese Weise tagtäglich vor Augen haben müssen.
Aber mir diese Tatsache manches Mal in Erinnerung zu rufen ist ganz ok.

Ich werde alt. Es ist gut, dass dieser Zustand nicht hinterhältig von 0 auf 100 in fünf Sekunden erfolgt, sondern  gemäßigter,  es gibt auch immer wieder Vorboten.
Ich werde gewarnt - wenn ich krank bin z. B. und fürchterlich aussehe. Zerknittert, mit Ringen unter den Augen. Wenn der sezierende Blick in den Spiegel ein ungeschminktes Bild zurückwirft und ich nicht glauben mag, dass ich die bin, die mich da  anschaut... Spuren von Anstrengung und Erschöpfung überall, die Haut schlaff, nicht nur Krähenfüsse, auch die Mundwinkel sagen mehr als tausend Worte!
Erst sitzt der Schock tief, aber spätestens nach der dritten, vierten Wiederholung gewöhne ich mich daran.
Ich kann es nicht leugnen – ich bin bereits jenseits der Fünzig.
Wenn ich mein Gesicht so sehe, (oder den gesamten Körper, denn die Auflösung macht ja vor keiner Region halt) weiß ich wie ich in zehn Jahren aussehen werde, sofern der Sensenmann mir keinen Strich durch die Rechnung macht.
Das tröstet dann: dass es noch dauert bis dahin und dass es auf dieser Strecke mehr Zeiten gibt, wo das strahlende Lächeln von der langsam verwelkenden Haut ablenkt.
Wie gut, dass Schönsein von Lebendigsein kommt und nicht von Jungsein.
 
Don Juan sagte bereits zu Castaneda: „Der Tod ist der beste Ratgeber“.
Im Hinblick auf den Tod zu leben, bringt vermutlich das Lebendige schnell wieder zurück – Feuer in die Seele.
Der Gedanke hat meine volle Sympathie!
Was ist da schon ein bisschen zerknitterte Haut, oder ein schlaffer Busen?


Lena van de Straten
 


 

28.1.07 19:56
 


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